Diese Antworten geben einen allgemeinen Überblick. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung. Ob eine Therapie mit medizinischem Cannabis in Frage kommt, entscheidet ausschließlich eine Ärztin oder ein Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und normalem Cannabis?
Botanisch handelt es sich um dieselbe Pflanze. Der Unterschied liegt in Herstellung, Kontrolle und Abgabe. Medizinisches Cannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es wird unter pharmazeutischen Qualitätsanforderungen angebaut und verarbeitet, jede Charge wird geprüft, und der Gehalt an THC und CBD ist deklariert.
Abgegeben wird es nur in Apotheken und nur auf ärztliche Verordnung. Seit dem 1. April 2024 regelt in Deutschland das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) den Umgang mit Cannabis zu medizinischen Zwecken. Cannabis außerhalb dieses Rahmens unterliegt keiner arzneimittelrechtlichen Qualitätskontrolle; Gehalt, Reinheit und Herkunft sind dort in der Regel nicht belegt.
Warum wirkt medizinisches Cannabis anders?
Die Inhaltsstoffe der Pflanze sind grundsätzlich dieselben, vor allem THC und CBD sowie Terpene. Unterschiede entstehen durch den Rahmen der Anwendung:
Der Wirkstoffgehalt ist deklariert und von Charge zu Charge nachvollziehbar. Dadurch lässt sich die Dosierung ärztlich festlegen und anpassen.
Die Anwendung erfolgt nach ärztlicher Vorgabe, etwa zur Menge und Anwendungsform. Für Cannabisblüten wird in der Regel die Inhalation mit einem Verdampfer (Vaporisator) empfohlen, nicht das Rauchen.
Die Therapie wird ärztlich begleitet, einschließlich möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.
Wie ein Arzneimittel bei einer einzelnen Person wirkt, ist individuell verschieden. Eine Aussage zur Wirksamkeit im Einzelfall kann nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt treffen.
Ist medizinisches Cannabis berauschend?
THC ist psychoaktiv. Auch medizinisches Cannabis mit THC kann daher die Wahrnehmung, die Konzentration und die Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Wie stark, hängt unter anderem von Dosis, THC-Gehalt, Anwendungsform und Gewöhnung ab. Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Anteil wirken in der Regel weniger psychoaktiv.
Ziel einer ärztlich begleiteten Therapie ist nicht der Rausch. Die Dosierung wird deshalb meist niedrig begonnen und schrittweise angepasst.
Für den Straßenverkehr gilt: Seit August 2024 liegt der THC-Grenzwert nach § 24a Straßenverkehrsgesetz bei 3,5 ng/ml Blutserum. Für die bestimmungsgemäße Einnahme eines ärztlich verordneten Arzneimittels gibt es eine Ausnahme, wer aber in seiner Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist, darf nicht fahren. Was das im Einzelfall bedeutet, sollte vor Therapiebeginn ärztlich besprochen werden.
Ist Cannabis aus der Apotheke besser?
Apothekenware unterscheidet sich vor allem durch nachweisbare Qualität. Medizinische Cannabisblüten werden nach pharmazeutischen Standards hergestellt und auf Gehalt, mikrobielle Belastung, Schwermetalle, Pestizide und weitere Verunreinigungen geprüft. Die Apotheke prüft vor der Abgabe zusätzlich die Identität des Arzneimittels.
Damit ist belegt, was in der Packung ist: deklarierter THC- und CBD-Gehalt, Herkunft, Charge und Bestrahlungsstatus. Bei Cannabis außerhalb der Apotheke fehlen diese Nachweise in der Regel. Welche Sorte und welche Dosierung für eine Person geeignet sind, ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern eine ärztliche Entscheidung.
Wie komme ich an medizinisches Cannabis?
Der Weg führt über ein ärztliches Gespräch, vor Ort oder per Telemedizin. Bei ärztlicher Indikation wird ein Rezept ausgestellt, seit April 2024 ein normales Rezept, kein Betäubungsmittelrezept mehr. Eingelöst wird es in einer Apotheke, vor Ort oder per Versand.


